Wehrpflicht aufheben - und dann?
Um es gleich vorweg zu nehmen: Auch ich habe damals für die Abschaffung der Armee gestimmt.
Unsere Armee sei zu gross, suche verzweifelt nach einer Aufgabe, entspreche nicht mehr der heutigen Zeit mit ihren Herausforderungen usw. Das leuchtet mir ein. Als bestes Mittel zur Behebung dieser Mängel aber gerade die Aufhebung der Wehrpflicht vorzuschlagen, scheint mir allerdings wenig probat. Zumal ja nicht einfach auf die Armee verzichtet werden soll (ok, ok, im Fernziel der GSOA schon), sondern diese sich fürderhin aus Freiwilligen speisen soll. Es wird auf das umliegende Ausland verwiesen, welches schon längst auf dieses Modell umgestiegen sei. Dieses umliegende Ausland kenne ich aber zum Teil recht gut, und so weiss ich, dass sich die sogenannten Freiwilligen in erster Linie unter den Leuten rekrutieren, die sonst nicht allzu viele Chancen haben. Die sonst nichts finden. Zum Beispiel keine Ausbildungsstelle, keine Arbeit. Da bietet sich dann die Armee als Retterin in der Not an. Wollen wir das wirklich? Eine Zweiklassengesellschaft, in der, wer es sich erlauben kann, dankend auf den Wehrdienst verzichtet, während diejenigen, die am wenigsten wählen können, halt ins Militär gehen? Das soll gerechter sein als das von der GSOA als ungerecht angeprangerte jetzige System?
Gleichzeitig wird überall und allenthalben von der Aufwertung der Freiwilligenarbeit gesprochen. Wäre die Überführung der Soldatentätigkeit in Freiwilligenarbeit eine solche Aufwertung? Hat das Milizsystem bis jetzt nicht auch immer wenigstens den Vorteil gehabt, Leute zusammen zu bringen, die sich sonst nie getroffen hätten? Die gemeinsam einen (zugegebenermassen mässig sinnvollen) Dienst an der Allgemeinheit zu leisten hatten?
Lasst uns doch besser über eine Dienstpflicht für alle nachdenken, die sich in Armeeaufgaben, Sozialdienst, Care-Arbeit, Zivildienst, usw., aufteilen würde!
Sie können verfügen!




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